Chor Minor – Buchara

Die Medrese Chor Minor befindet sich etwa zehn Gehminuten vom Lyabi Hauz Platz entfernt in der Altstadt von Buchara. Allerdings liegt sie von Wohnhäusern umgeben und damit etwas verborgen vor den Augen von den Touristen.

Gebaut wurde die Medrese um 1807 vom reichen turkmenischen Kaufmann Kalif Niyazkul. Die Medrese war relativ klein für 15-20 Personen konzipiert. Heute sind neben dem imposanten Torhaus nur noch einige wenige Hujras («Zellen») der Schüler übriggeblieben, während von den anderen nur noch das Fundament erkennbar ist.

Das Torhaus allein ist aber bereits einen Besuch wert. Architektonisch ist das Gebäude einzigartig in Zentralasien. Vom Aufbau her erinnert es an Vorbilder aus Indien, etwa den Torbau Charminar in Hyderabad. Es wird angenommen, dass Kalif Niyazkul aufgrund seines Berufes ferne Länder besuchte und so in Kontakt mit der Architektur anderer Länder gekommen ist. Das Design hingegen ist aber typisch lokal gewählt.

Das Torhaus ist ein rechteckiges, zwei Stockwerke hohes Gebäude, welches mit einer Kuppel versehen ist. An jeder Ecke des Bauwerkes ist ein 17 Meter hoher Turm angebracht, wodurch der Name des Gebäudes stammt: Chor Minor bedeutet «Vier Minarette». Dies ist allerdings ein wenig irreführend, da es sich bi den Türm nicht effektiv um Minarette, sondern nur um Ziertürme handelt. Manche Autoren fühlen sich bei beim Gebäude selbst (wenn die Türme weggelassen würden) an das Samaniden Mausoleum erinnert. Allerdings kann diese unmögliche als Vorbild gedient haben, da es erst Jahrzehnte nach dem Bau von Chor Minor ausgegraben wurde.

Die Spitzen der Türme tragen Kuppel, welche mit hellblau glasierten Kacheln geschmückt sind. Bei jeder Kuppel wurde eine andere Gestaltung gewählt. Der Legende nach soll der Auftraggeber vier Töchter gehabt und jeder Tochter einen Turm gewidmet haben. Während sich die Töchter als Schwestern ähnlich sind, habe doch jede ihren eigenen Charakter. Aus diesem Grund seien die die Kuppeln jeweils unterschiedlich geschmückt.

Die beiden Fronttürme sind nicht mehr im Originalzustand, sondern fielen im Laufe der Zeit zusammen. Der erste wurde bereits während der Sowjetzeit wiederhergestellt, während der zweite im Jahre 1995 kollabierte und 1997 mit finanzieller Hilfe der UNESCO wiederaufgebaut wurde. Lange Zeit nisteten Störche auf den vier Minaretten; um diesem Umstand Rechnung zu tragen steht heute auf einem der Türme eine Storchskulptur.

Gegen einen Aufpreis ist es möglich, auf das Dach des Gebäudes zu steigen, was interessante Fotos der Türme und ihren Kuppeln ermöglicht. Die Aussicht ist allerdings von den Nachbarhäusern verdeckt.

Neben der Medrese liegt ein Wasserbecken («Hauz»), welches ursprünglich zur Wasserversorgung der Bevölkerung diente.


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