Das Samaniden Mausoleum

Im 9. Jahrhundert wurde das Samanidenreich auf dem Gebiet Zentralasiens gegründet, ein Reich, welches in der Geschichte der zentralasiatischen Ländern einen wichtigen Platz einnimmt, in der allgemeinen Weltgeschichte aber eher unbekannt ist. Der Stammvater der Dynastie, Saman Chudat, stammte aus einer alten persischen Familie, welche bereits zu Zeiten der Sassaniden einflussreich war. Die ersten Samaniden wurden ab 819 Statthalter in verschiedenen Städten des heutigen Usbekistan und konnten ab 874 faktisch unabhängig regieren. Seinen Höhepunkt erreichte das Imperium unter der Herrschaft von Ismail Samani. Von der Hauptstadt Buchara aus erstreckte es sich über die heutigen Staaten Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Afghanistan, Turkmenistan und Iran.

Das Mausoleum in Buchara wurde im Auftrag von Ismail Samani für seinen Vater gebaut; später wurde es zu einer Familienbegräbnisstätte, in welcher auch Ismail selbst sowie mehrere seiner Nachkommen bestattet sind. Es ist eines der ältesten Denkmäler Bucharas und in sehr gutem Zustand erhalten. Das Gebäude gilt als Meisterwerk der Architektur des 10. Jahrhunderts. Die Bauweise ist einzigartig: In keinem anderen Zentralasiatischen Land ist eine ähnliche Konstruktion bekannt. Es wird deshalb vermutet, dass das Verfahren, auf welchem der Bau beruht, in die vorarabische Zeit zurückgeht. Allerdings kann dies nicht bewiesen werden, da in dieser Periode mit weniger beständigen Materialien wie Holz und ungebrannten Lehmziegeln gearbeitet wurde. Gewisse Forscher glauben aber, dass sich der Stil an einem zoroastrischen Feuertempel orientiert.

Baustoff für das Mausoleum waren Backsteine. Der Bau wirkt auf den ersten Blick sehr einfach: eine würfelförmige Basis mit einer Kuppel. Allerdings wurde mit einer unglaublichen architektonischen Exaktheit gearbeitet. Der Unterbau, welcher eine quadratische Grundfläche mit ca. 10 Metern Seitenlänge hat und ca. 14 Meter hoch ist, geht mit Hilfe von acht Bogen auf fast schon natürliche Weise in die Kuppel über, welche ihrerseits etwa 9 Meter hoch ist. Auch für die Dekoration wurden ausschliesslich Backsteine verwendet. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung und Verwendung (flach, senkrecht, diagonal, hervorstehend, überlappend etc.) entsteht eine äussert stimmige Verzierung, welche dem Mausoleum eine gewisse Leichtigkeit verleihen.

Das Mausoleum ist eines der wenigen Gebäude Bucharas, welche von den Mongolen nicht zerstört wurden. Ursprünglich stand es im Zentrum eines Friedhofs, wurde aber im Lauf der Zeit von Sandschichten bedeckt und erst im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wieder vollständig freigelegt.

Früher gab es einen Glauben, dass ein Wunsch wahr werde, wenn man ihn ausspreche und das Mausoleum danach drei Mal umrundet. Die Bevölkerung von Buchara glaubt mittlerweile allerdings nicht mehr an die Wirkung: Deshalb sieht man heute hauptsächlich Touristen, welche die Legende von ihrem Reiseleiter hören oder vereinzelt Einheimische vom Land, welche die Stadt zum ersten Mal besuchen.

Das Samaniden Mausoleum gilt heute als eines der Symbole Bucharas. Es steht etwas ausserhalb der Altstadt im Ismail Samani Park, welcher nicht nur als Vergnügungspark für Kinder genutzt wird, sondern auch bei jungen Paaren für einige Stunden der Zweisamkeit beliebt ist. Durch verschieden Wasserbecken und Kanäle sowie die vielen Bäume herrscht im Park auch im Hochsommer eine vergleichsweise angenehme Temperatur.


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