Shahi-Zinda – Der Mausoleumskomplex von Samarkand

Shahi-Zinda (auch Shohizinda) kommt ursprünglich aus dem Persischen und bedeutet «lebender Herrscher». Das erste Mausoleum geht auf Qussam Ibn Abbas zurück, einen Cousin und steter Begleiter des Propheten Mohammed. Die Legende besagt, dass Qussam Ibn Abbas zusammen mit den arabischen Eroberern nach Samarkand kam und als Missionar die lokale Bevölkerung zum Islam konvertieren wollte. Zu dieser Zeit war die Region vom Zoroastrismus dominiert, weshalb viele der neuen Religion skeptisch oder gar feindlich gegenüberstanden. So kam es, dass Qussam Ibn Abbas während eines Gebets gefangen genommen und später enthauptet wurde. Er starb jedoch nicht, sondern brachte seinen Kopf zu einem Brunnen, wo er vom Wasser trank und nicht nur Heilung, sondern gar Unsterblichkeit erreichte. Durch den Brunnen stieg er unter die Erde um im Paradies weiterzuleben. Der Koran sagt auch, dass die, welche im Namen Allahs gestorben sind nicht tot betrachtet werden sollen. Sie seien weiterhin am Leben.

Während der Sowjetzeit sollen Untersuchungen ergeben haben, dass die Gruft nie für eine Bestattung verwendet wurde, das Grabmal demnach nur fiktiv sei und Qussam Ibn Abbas eventuell gar nie in Samarkand war. Diese Untersuchungen fielen aber in eine Zeit des radikalen Atheismus und sollten wohl hauptsächlich den Einfluss der Religion mindern, denn das Grab, auf welchem das Todesdatum mit 676/677 angegeben wird, entwickelte sich spätestens nach dem Bau des Mausoleums im 11. Jahrhundert zu einer Pilgerstätte.

Schon kurz später, im 11. und 12. Jahrhundert wurden weitere Mausoleen gebaut, allerdings wurde der Komplex im 13. Jahrhundert von den Truppen Dschingis Khans verwüstet. Seine endgültige Form als «Strasse der Mausoleen» erhielt der Komplex im 14. Und 15. Jahrhundert durch die Timuriden.

Viele der insgesamt 40 Mausoleen wurden für den weiblichen Teil von Amir Timurs Familie gebaut, seine Schwestern, Nichten und eine seiner Ehefrauen. Aber auch einige Militärführer wurden mit einem eigenen Mausoleum geehrt.

Das schönste Gebäude des Komplexes wurde für Shadi Mulk, eine Nicht von Amir Timur erbaut. Sie war weit über Samarkand hinaus für ihre Schönheit bekannt. Doch eines Tages erkranke sie an einer unbekannten Krankheit, die kein Arzt heilen konnte. Shadi Mulk starb in den Armen ihres berühmten Onkels. Dieser befahl daraufhin den Bau eines Mausoleums, das immer an die Schönheit von seiner Nichte erinnern soll. Die Fassade ist mit Terrakottaschnitzereien und Majolika verziert.

Gegen Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts erhielt der Komplex seine endgültige Dekoration, bestehend aus unzähligen Majolikas welche Blumen und Sterne als Leitmotiv haben. Als Ulugbek regierte war die Nekropolis grösstenteils fertiggestellt. Um die Komposition abzuschliessen lässt er am südlichen Ende ein Portal errichten, welches ebenfalls im für diese Zeit traditionellen Stil gebaut ist. Heute ist Shohizinda bei Einheimischen und Touristen gleichermassen beliebt. Das Grab von Qussam Ibn Abbas gilt weiterhin als Pilgerstätte, entsprechend gibt es vor allem am Wochenende viele Besucher. Wer fotografieren möchte, sollte den Komplex möglichst am Morgen besuchen; grundsätzlich sind dann die Lichtverhältnisse am besten.


Sehenswürdigkeiten

Afrasiab

Bibi-Chanum Moschee

Grab des heiligen Daniel

Gur Emir Mausoleum

Observatorium von Ulugbek

Registan-Platz

Seidenpapierwertkstatt Koni Gil

Sher-Dor Medrese

Shahi-Zinda

Tilya-Kori Medrese

Ulugbek Medrese


Interessante Informationen

Traditionelle Gerichte von Samarkand

Was man in Samarkand unbedingt machen sollte


Berühmte Persönlichkeiten

Amir Timur (Tamerlane) – Der Eroberer des Ostens

Sadriddin Aini – Der Begründer der tadschikischen Literatur

Ulugbek – Der hervorragende Astronom