Avicenna (980-1047)

Avicenna (980-1047)

Avicenna wurde um 980 in Afschana bei Buchara geboren. Sein voller Name lautete Abe Ali al-Husain ibn Abd Allah ibn Sina, kurz Ibn Sina. Sein latinisierter Name Avicenna entstand vermutlich über eine hebräische Zwischenstufe wie etwa Aven Zina. Er war ein Universalgenie und war Arzt, Naturwissenschaftler, Philosoph, Jurist, Mathematiker, Astronom und Alchemist.

Avicenna war der Sohn eines hohen Beamten. Schon als Kind galt er als äusserst Wissbegierig. Nach dem Umzug der Familie nach Buchara (vermutlich im Jahr 986) wurde Avicenna zuerst in Arabisch und später in Koranstudien sowie Literatur unterrichtet. Bereits im Alter von 10 Jahren beherrschte er den Koran und hatte viele Literaturwerke gelesen und sich dadurch einen Ruf erarbeitet. Später befasste er sich mit Mathematik und der Rechtswissenschaft, bevor er sich der Philosophie und der Medizin zuwandte. In letzterer wurde er vom Hofarzt des damaligen Herrschers unterrichtet und soll später auch selbst Mitglieder der Herrscherfamilie behandelt haben. Einer Legende nach betreute er unter anderem einen Prinzen, der unerklärlicherweise abmagerte. Avicenna wählte eine Methode, bei der er den Puls des Patienten fühlte, während ein Assistent alle Strassen der Stadt aufzählte. Bei Nennung einer Strasse erhöhte sich der Puls. Das gleicht Verfahren wurde dann mit allen Häusern dieser Strasse angewandt, bis sich ein bestimmtes Mädchen der Strasse herauskristallisierte, in das der Prinz verliebt war. Im Einvernehmen mit dem Herrscher soll Avicenna dann die Hochzeit der beiden arrangiert haben.

Avicenna interessierte sich aber nicht hauptsächlich für Medizin, sondern soll sie gar als keine der schweren Wissenschaften bezeichnet haben. Mit Anfang zwanzig schrieb er seine ersten Bücher, unter anderem über Mathematik und Jurisprudenz. Bereits in jungen Jahren wurde er von den lokalen Herrschern auch in die Regierungsgeschäfte miteinbezogen. Nach dem Untergang der Samaniden-Dynastie im Jahre 1005 zog Avicenna nach Kunya-Urgench (Turkmenistan), der damaligen Hauptstadt des Choresmischen Reiches, wo er bis etwa 1012 blieb.

Gerüchteweise wollte er nicht in den Dienst des choresmischen Herrschers treten, weshalb er durch die Wüste Karakum nach Süden in die Stadt Gorgan am Südufer des Kaspischen Meeres zog. Der dortige Herrscher galt als Förderer von Literatur und Wissenschaft und Avicenna hielt Vorlesungen in Logik und Astronomie.

Im Jahre 1014 erhielt Avicenna eine Anstellung als Arzt am Hof in Rey (unweit des heutigen Teheran), wo er im Dienst der Buyiden-Dynastie stand. Während seiner Zeit am Hof unterhielt er eine medizinische Praxis und schrieb etwa 30 kleinere medizinische Werke. Aufgrund einer Belagerung sah sich Avicenna gezwungen, die Stadt bereits 1015 wieder zu verlassen.

Avicenna zog nach Hamadan, wo er die Kolik des lokalen Emirs behandelte und zum Dank bis zum Wesir aufsteigen konnte. Nach einer Meuterei von Soldaten wurde er abgesetzt und sogar verhaftet, aber dies soll aber nach der Behandlung einer weiteren Kolik rückgängig gemacht. In der Folge arbeitete Avicenna fast ununterbrochen. Am Tag nahmen ihn die Aufgaben des Emirs in Anspruch, in der Nacht hielt er Vorlesungen und arbeitete an seinen Werken. Nach dem Ableben des Emirs im Jahre 1021 lehnte es Avicenna ab, für dessen Sohn und Nachfolger zu arbeiten und bot seine Dienste stattdessen dem Emir von Isfahan an. Als dies publik wurde, bezeichnete man ihn in des Hochverrats und kerkerte ihn ein, was Avicenna aber nicht davon abhielt, weiter an seinen Werken zu arbeiten.

Als Hamadan 1023 belagert wurde gelang Avicenna die Flucht aus den Gefängnis. Er versteckte sich zuerst in der Stadt und zog später als Derwisch verkleidet nach Isfahan, wo er für den Rest seines Lebens bleiben würde. Auch hier arbeitete er einerseits für den Emir und andererseits an seinen eigenen Studien. Im Juni 1037 starb Avicenna mit 57 Jahren auf einem Feldzug an einer langwierigen Darmerkrankung und wurde in Hamadan beigesetzt. Das ursprüngliche, einfache Grab wurde in den 1950er Jahren durch ein neues Mausoleum mit einem ungewöhnlich geformten Turm im Zentrum der Stadt ersetzt.

Im Laufe seines Lebens hat Avicenna viele Werke verfasst; hauptsächlich in Medizin und Philosophie, aber auch in Theologie, Mathematik, Astronomie und anderen Fachbereichen. Von den etwa 450 verfassten Schriften sind etwas mehr als die Hälfte erhalten geblieben. Viele Werke, insbesondere der berühmte Kanon der Medizin, wurden bereits im Mittelalter ins Lateinische übersetzt. Der Kanon war fortan für lange Zeit eines der Hauptstudienmittel europäischer Ärzte.

Avicenna wird seit seinem Ableben immer wieder geehrt. So gibt es nicht nur in seinem Geburtsort Afschana eine Statue des berühmten Meisters, sondern auch in Duschanbe und in Wien. Avicenna ist auch auf dem tadschikischen 20-Somoni –Geldscheinabgebildet und ziert ein Kirchenfenster des Mailänder Doms, welches 1479 von der Apothekerzunft Mailands gestiftet worden sein soll. Selbst in Dantes Göttlichen Komödie findet Avicenna einen Platz im «edlen Schloss», das sonst fast ausschliesslich den Philosophen und Dichter der vorchristlichen, antiken Welt vorbehalten ist.


Besuchen Sie Buchara, die Geburtsstadt von Avicenna: Fast alle unserer Rundreisen führen Sie in die Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.