Geschichte Usbekistans

Geschichte Usbekistans

Die Geschichte Usbekistans kurz zusammenzufassen stellt ein schwieriges Unterfangen dar. Einerseits reicht die Geschichte mehr als 3’000 Jahre zurück; gleichwohl gibt es vor allem aus der frühen Zeit fast keine Dokumente, da den damals herrschenden Nomadenvölkern die schriftliche Erfassung fremd war. Andererseits waren die Gebiete in Zentralasien nicht in übersichtliche Staaten aufgeteilt. Die Grenzen änderten mit jeder Eroberung, Grossreiche entstanden und zerfielen, das Gebiet wurde regelmässig und aus verschiedenen Richtungen erobert. Gleichwohl kann man aber sagen, dass vor allem fünf Invasoren das Gebiet geprägt haben: die Perser, die Griechen, die Araber, die Mongolen und die Russen.

Die Achämeniden

Die ersten Spuren menschlichen Lebens wurden in einer Höhle in Südusbekistan gefunden (Teschik Tasch). Im Jahre 1938 entdeckten sowjetische Forscher die Knochen eines Neandertaler Kindes.

 

Im 6. Jahrhundert vor Christus formierten sich erste Völker. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot erwähnt die Massageten als Volk welches östlich des Kaspischen Meeres im Bereich des Aralsees sowie entlang der Flüsse Oxus (Amu Darya) und Jaxartes (Syr Darya) beheimatet war. Heredot ist es auch, der vom Krieg zwischen den Massageten und den Achämeniden (auch als Altperser bekannt) etwa im Jahre 530 vor Christis berichtet, welcher gemäss Heredot dadurch ausgelöst wurde, dass die massagetische Herrscherin Tomyris den Heiratsantrag des achämenidischen Königs Kyros ablehnte.In einer ersten Schlacht konnten die Achämeniden einen Erfolg erringen; unter anderem wurde dabei der Tomyirs Sohn getötet. Diese rächte sich daraufhin mit aller Macht: in einer zweiten Schlacht soll es bis zu 200’000 achämenidische Opfer gegeben haben; unter anderem fiel Kyros selbst. Erst Kyros Sohn Kambyses II sowie dessen Nachfolger Dareios konnten den Widerstand brechen und die Region erobern. Das durch diesen Erfolg sowie weitere Eroberungen entstandene Reich der Achämeniden wird vom Guinnessbuch der Rekorde als das in Bezug auf die Weltbevölkerung grösste je existierende Reich geführt. 44% der damaligen Weltbevölkerung sollen unter der Herrschaft der Achämeniden gelebt haben.

Alexander der Grosse

Das Achämeniden teilten ihr Reich in verschiedene Provinzen (Satrapen) auf, welche sich hauptsächlich an den jeweils ansässigen Bevölkerungsgruppen bezogen. Je nach Quelle gab es zwischen 20 und 29 solcher Provinzen.

Im 4. Jahrhundert vor Christus setzte Alexander der Grosse zu seinem unglaublichen Eroberungszug an. Im Jahre 334 vor Christus begann er im Alter von erst 22 Jahren seinen Persienfeldzug und konnte 3 Jahre später Babylon erobern und sich zum «König von Asien» ausrufen lassen. Obwohl er das Achämenidenreich faktisch erobert hatte, leisteten einzelne Satrapen weiterhin wiederstand, darunter Baktrien (welches vom Hindukusch bis ins Fergana Tal reichte) sowie dessen westlicher Nachbar Sogdien (das zwischen den Flüssen Oxus (Amu Darya) und Jaxartes (Syr Darya) auf dem Gebiet des heutigen Usbekistan und Tadschikistan lag). Im April 329 vor Christus überquerte Alexander den Hindukusch und eroberte Baktrien. Daraufhin zog er weiter und eroberte die sogdische Hauptstadt Marakanda (das heutige Samarkand). Bis zur Befriedung der Region sollte es aber noch weitere zwei Jahre dauern. Um dieses Ziel zu erreichen heiratete Alexander die sogdische Prinzessin Roxane.

Nach Alexanders Tod im Jahre 323 vor Christus übernahmen verschiedene seiner Feldherren die Macht. Da sicher aber keiner als Alleinherrscher etablieren konnte, kam es zu verschiedenen Nachfolgekriegen, im Zuge derer ein griechisch beeinflusster Staat, das sogenannte Griechisch-Baktrische Königreich seine Unabhängigkeit erlangte. Dieser musste regelmässig Invasoren abwehren (unter anderem durch das Reitervolk der Parther), bis er schliesslich um 130 vor Christus durch die Yuezhi, eine indogermanische Stammesgruppe, welche in der Region der heutigen chinesischen Provinz Gansu beheimatet war, erobert wurde. Eine Theorie, wonach es sich bei den Yuezhi um Nachfahren der 400 Jahre zuvor vertriebenen Massageten handelt, konnte noch nicht endgültig bewiesen werden.

 

 

Kuschana

Eine der Herrscherfamilie der Yuezhi gründete etwa um das Jahr 0 das Kuschana Imperium. Seine grösste Ausdehnung erreichte es zwischen 100 und 250, als es Gebiete vom Aralsee bis ins heutige China und nach Süden bis ins heutige Nordindien umfasste.

Die Macht verdankte das Reiche seinem vierten Kaiser, Kanischka I. Er war es auch, der zum Buddhismus konvertierte und so die Religion nach Zentralasien brachte. Gleichzeitig wurden aber das griechische Alphabet übernommen und eine Verwaltung nach indo-griechischen Sitten eingeführt. Im 3. Jahrhundert wurde Sogdien und Baktrien durch die Sassaniden erobert, einer persischen Dynastie welche das zweite Persische Grossreich des Altertums begründete.

Die weissen Hunnen (Hephthaliten)

Die Herrschaft in Zentralasien währte allerdings nicht lange. Bereits etwa 150 Jahre später drang ein neues Volk in Zentralasien ein, die so genannten weissen Hunnen, auch Hephthaliten genannt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss diverser Nomadenvölker, welche im Rahmen einer Völkerwanderung aus den innerasiatischen Steppen nach Zentralasien zogen und dabei einen Grossteil des Sassanidenreiches erobern konnte.

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht kontrollierten sie ein Gebiet vom Aralsee bis ins heutige China (Kashgar und Turfan) und später bis nach Indien. Aber auch ihre Herrschaft war nicht von Dauer: aus dem Nordosten drangen Turkvölker, welche ursprünglich in der Mongolei und im östlichen Sibirien beheimatet waren in die Region ein. Zusammen mit den Sassaniden besiegten Sie die Hephthaliten und teilten das Reich auf: die Sassaniden erhielten Baktiren, die Türken Sogdien.

Die Araber

In der Zwischenzeit formierte sich auf der arabischen Halbinsel eine neue Macht mit einer eigenen Religion: die muslimischen Araber. Nachdem bis zum Tod Mohammeds im Jahre 632 die arabische Halbinsel kontrolliert wurde, eroberten die Araber in den folgenden 30 Jahren Ägypten, Syrien und grosse Teile des persischen Reiches.

Auch Transoxanien, das von den Arabern Mawaraannahr genannte Land jenseits des Oxus (Amu Darya) sollte erobert werden. Zwischen 670 und 680 kam es zu Raubzügen bis im Jahre 681 zum ersten Mal das Winterlager am östlichen Ufer des Oxus aufgeschlagen wurde. Von da an begann die schrittweise Eroberung der türkischen Besitztümer, verbunden mit der gleichzeitigen langsamen Islamisierung der Region. Nacheinander wurden Buchara (709) und Samarkand (712) erobert. Allerdings wurde den Arabern hartnäckigen Widerstand geleistet, unter anderem erlitten die Araber 724 eine schwere Niederlage, welche einen allgemeinen Aufstand gegen die Invasoren in Transoxanien nach sich zog, so dass mehrere Städte aufgegeben werden mussten und nur Samarkand gehalten werden konnte. Die aufständischen Turkvölker wurden in der Folge von einfallenden Kriegern der chinesischen Tang-Dynastie besiegt, welche ihrerseits wieder den Arabern unterlagen.

 

Im Jahre 751 kam es am Fluss Talas zu einer grossen Schlacht zwischen einem arabischen und einem chinesischen Heer. Die Chinesen, welche zwischenzeitlich bis ins Fergana Tal vorgedrungen waren, wurden geschlagen und unternahmen in der Folge keine weiteren Expansionsversuche nach Westen. Die Schlacht wird deshalb von vielen als entscheidendes Ereignis angesehen, welches die Kultur der Region bestimmte.

 

Die Araber setzten in der Folge die Islamisierung der Region konsequent um, bauten Moscheen und bekehrten fast die gesamte lokale Bevölkerung. Das Gebiet wurde Teil des arabischen Kalifats.

Die Samaniden

Mit der Dynastie der Samaniden begann Ende des 9. Jahrhunderts ein goldenes Zeitalter für die Region. Der Stammvater der Dynastie, Saman, entstammte einer einflussreichen persischen Familie, welche im Norden des heutigen Afghanistans ihre Heimat hatte. Bereits Anfang des 9. Jahrhundert waren die Samaniden Statthalter des arabischen Kalifats in Samarkand, Fergana und Herat, die eigentliche Machtergreifung erfolge aber 874, als Nasr ibn Ahmad die Macht in Transoxanien übernahm. Als Hauptstadt wählte die Dynastie Buchara von wo aus sie ihre Macht rasch erweitern konnte und unter anderem die Kontrolle über Choresmien und den östlichen Iran übernahm.

 

 Des Weiteren wurden die Oghusen aus der Region zwischen dem Kaspischen Meer und dem Aralsee nach Norden vertrieben, was wiederum eine Kettenreaktion auslöste, in Folge derer die Magyaren nach Ungarn gelangten.

Unter der Herrschaft der Samaniden war Transoxanien die Drehscheibe des internationalen Handels mit Beziehungen nach China, Indien und über den Nahen Osten und das Wolgagebiet bis nach Europa.

Die heutigen Tadschiken führen ihre Abstammung auf die Samaniden-Dynastie zurück. Ismail, dessen Mausoleum in Buchara besichtigt werden kann, gilt als tadschikischer Nationalheld und Vater der Nation.

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts folgte der Untergang der Dynastie. Neue Steppenvölker drangen von Nordosten und Südosten in das Reich ein. Im Jahre 999 wurde Buchara von den Karachaniden, einer türkischstämmigen Dynastie, erobert. Diese beherrschten die Region in der Folge, wurden im 12. Jahrhundert aber selbst besiegt und konnten de facto nur noch als Vasallen regieren.

Südlich des Aralsees konnte sich in der Zwischenzeit das choresmische Reicht mit der Hauptstadt Konya-Urgench im heutigen Turkmenistan etablieren und kurzzeitig ein Reich errichten, das auch den nördlichen Iran umfasste und bis ins heutige Aserbaidschan reichte.

Die Mongolen

Im Jahre 1206 kam es zu einem einschneidenden Ereignis der Weltgeschichte. Dem mongolischen Klanchef Temüdschin gelang es, alle mongolischen Stämme zu einen. Er liess sich als Grosskahn aller Mongolen ausrufen und wurde unter dem Namen Dschingis Khan berühmt.

Die Mongolen begannen mit der Eroberung Chinas und konnten im Jahre 1215 Peking plündern. Drei Jahre später sandte Dschingis Kahn eine Karawane nach Choresmien. Diese sollte mit den mitgeführten Gütern einerseits die mongolische Stärke demonstrieren, andererseits aber auch die politische Lage in Choresmien erkunden. Die Karawane wurde jedoch überfallen, vermutlich auf Befehl des choresmischen Schahs. Die Rache von Dschingis Khan war grausam. Mit einem Heer von 150’000 bis 200’000 Soldaten überfielen die Mongolen die Region und eroberten nacheinander Buchara, Samarkand und schliesslich das gesamte choresmische Reich. Dabei wurde die Bevölkerung massakriert oder versklavt. Handwerker, Gelehrte und Künstler wurden in die Mongolei verschleppt. Viele Städte wurden zerstört, unter anderem auch Samarkand, dessen Mauern als unbezwingbar galten. Gemäss zeitzeugen wurden etwa 6 Millionen Menschen getötet.

 

In der Folge kam es zu einer unbeständigen Zeit in welcher sich die Mongolen oft untereinander bekriegten, um sich die Herrschaft zu sichern. Allerdings kam es erst gegen Ende des 14. Jahrhundert zu einer Stabilisierung der Situation und einer neuen Dynastie.

 

Die Timuriden

Im Jahre 1336 wurde Timur (auch bekannt als Tamerlane), der Stammvater der Timuriden in der Nähe von Shahrisabz geboren. Er entstammte dem Mongolenstamm der Barlas, welcher im 13. Jahrhundert eingewanderten war, und gehörte dem niederen Adel an. Durch geschickte Bündnisse, Intrigen und eine gewisse Skrupellosigkeit im Kampf konnte er bis 1370 die Macht über ganz Transoxianien übernehmen. Dies war ihm jedoch nicht genug: Timur, der sich auf seine (entfernte) Verwandtschaft mit Dschingis Khan berief, träumte von der Wiederherstellung des mongolischen Reiches seiner berühmten Vorfahren. Von seiner Hauptstadt Samarkand aus setzte er zu einem erfolgreichen Eroberungszug an, in welchem er ein Reich von der heutigen Türkei, über den Kaukasus, Syrien, den Irak und Iran bis nach Delhi erschuf. Allerdings setzte er weniger Wert auf die geschickte Verwaltung der eroberten Gebiete; vielmehr setzte er auf die Furcht der lokalen Bevölkerung vor brutaler Vergeltung bei einem versuchten Aufstand.

Aus diesem Grund brach sein riesiges Reich nach seinem Tod auseinander. Zu viele Prinzen und Heerführer erhoben Anspruch auf die Macht. Diese interne Schwächung nutzten viele Statthalter und erklärten ihre Gebiete kurzerhand für unabhängig. Das Reich blieb nur im Kern erhalten. Timurs Sohn Scharuch kontrollierte den südlichen Teil des verbliebenen Reichs von seiner neuen Hauptstadt Herat im heutigen Afghanistan. Die alte Hauptstadt überliess er seinem Sohn Ulugbek. Unter deren Herrschaft erlebte das Land eine Zeit der Stabilität und der kulturellen Blüte. Ulugbek war mehr an Wissenschaft als an neuen Eroberungen interessiert und macht bedeutende Fortschritte in der Astronomie. Unter anderem gelang es ihm, die genaue Dauer eines Jahres mit nur 58 Sekunden Differenz zum heute gültigen Wert zu berechnen.

 

Seine Leidenschaft für die Wissenschaft wurde Ulugbek schliesslich aber zum Verhängnis. Er stellte die Wissenschaft über die Religion, wodurch er den Zorn der Geistlichen auf sich zog. Auf ihre Anstiftung hin wurde er erst abgesetzt und später ermordet.

 

Einzelne Timuriden herrschten weiterhin in Transoxanien, allerdings nahm ihr Einfluss ab und sie mussten sich mehr und mehr gegen einfallende Usbeken behaupten. Der letzte wichtige Timuride war Babur, welcher sich zwar in jungen Jahren aus Transoxanien zurückziehen musste, zu Beginn des 16. Jahrhunderts aber das Mogulreich in Indien gründen konnte, welches bis zur Kolonialisierung durch die Engländer bestehen blieb.

Die Usbeken

Auch die Usbeken waren ursprünglich ein mongolisches Nomadenvolk. Benannt wurden sie nach Usbek, einem Khan der Goldenen Horde und Nachfahren Dschingis Khans, welcher im 14. Jahrhundert lebte. Zu Beginn des 16. Jahrhundert konnten die Usbeken unter der Führung von Muhammad Schaibani die Städte Buchara, Samarkand und Herat erobern und damit die Herrschaft der Timuriden endgültig beenden.

Ein Zweig der Familie eroberte Choresmien, welches später nach der Verlegung der Hauptstadt zum Khiva Khanat umbenannt wurde und bis 1920 durch die Schaibaniden kontrolliert wurde. Ein anderer Teil der Familie gründete das Kokand Khanat, nachdem der lokale Herrscher der Fergana Tals vertrieben werden konnte. Dort hielten sie die Macht bis ins Jahr 1876.

 

Im zentralen Teil des heutigen Usbekistan verloren die Schaibaniden die Herrschaft im Jahre 1699 an die Astrakhaniden, welche ihrerseits im Jahre 1785 durch die Manghit Dynastie abgelöst wurde. Letztere nutzten nicht mehr den mongolischen Herrschertitel Khan, sondern den muslimischen Titel Emir. Sie gründeten Buchara Emirat.

Russland und die Sowjetunion

Seit der Zeit von Zar Peter I. zu Beginn des 18. Jahrhunderts träumte des Russische Reich von einem eisfreien Anschluss an die Weltmeere. Dabei ging es vor allem um strategische und sicherheitspolitische Erwägungen und nur zweitranging um wirtschaftliche Überlegungen. Gleichzeitig sollte sichergestellt werden, dass das Russische Reich gegenüber dem Kolonialstreben der anderen Grossmächte den Anschluss nicht verlor.

Im 19. Jahrhundert begann das «Great Game», das Taktieren um Einfluss in Zentralasien. Grossbritannien hatte bereits Indien erobert und richtete sein Interesse nach Zentralasien. Nachdem bereits das heutige Kasachstan unter russische Kontrolle gelangte, konnte 1865 Tashkent erobert werden. Dies öffnete das Tor ins südliche Zentralasien. Nur kurze Zeit später wurden das Kokand Khanat und mit Samarkand ein wichtiger Teil des Buchara Emirats erobert und ins neu gegründete Generalgouvernement Turkestan eingegliedert. Der Rest des Buchara Emirat sowie das Khiva Khanat blieben formell zwar unabhängig, waren effektiv aber Protektorate des Russischen Reiches und wurden im Wesentlichen von Moskau kontrolliert.

 

Im Jahre 1917 machten sich die Folgen der Russischen Revolution auch in Zentralasien bemerkbar. Erste Sowjets wurden in Buchara gegründet. Im Jahre 1920 wurden der Khan von Khiva und der Emir von Buchara vertrieben und die Volksrepubliken Choresm und Buchara ausgerufen. Vier Jahre später wurden die Republiken nach nationalen Gesichtspunkten neu gegliedert. Die neue Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik (UsSSR) bestand aus Teilen der drei bisherigen Staatsgebilde. Bis 1929 war Tadschikistan eine autonome Republik innerhalb der UsSSR.

 

Usbekistan wurde fortan in die Modernisierungspläne miteinbezogen. Grossgrundbesitzer wurden enteignet und Bewässerungsprojekte realisiert. Infolge dessen entwickelte sich Usbekistan zum wichtigsten Baumwollproduzenten der Sowjetunion. Daneben wurden aber auch in das Bildungssystem und die Infrastruktur investiert. Gleichzeitig behielten die Usbeken ihre traditionelle Folklore und kunsthandwerklichen Fähigkeiten. Nicht zuletzt die Restaurierung der historischen Bauwerke führte zu einem bisher nicht bekannten usbekischen Nationalgefühl.

Die usbekische Unabhängigkeit

Am 1. September 1991 erklärte Usbekistan seinen Austritt aus der Sowjetunion und verabschiedete eine eigene Verfassung. Zum ersten Mal in der Geschichte Zentralasiens existierte eine unabhängige Republik Usbekistan. Durch den Kollaps der Sowjetunion sah sich das junge Land aber mit einer schwierigen Situation konfrontiert. Viele Fabriken wurden geschlossen, Arbeitsplätze gingen verloren. Dadurch kam es zu einer Auswanderungswelle: speziell gut gebildete Spezialisten verliessen das Land und versuchten ihr Glück im Ausland, hauptsächlich in Russland.

 

 

Islom Karimov, der erste Präsident Usbekistans, regierte das Land von der Gründung bis zu seinem Tod 2016. Während er im Westen oft als autoritärer Führer oder gar Diktator angesehen wird, ist er in Usbekistan immer noch äusserst beliebt. Er sorgte dafür, dass in Usbekistan von Anfang eine stabile Situation bestand, während es z.B. in Tadschikistan einen sechsjährigen Bürgerkriegt gab oder die Kirgisische Politik bereits von zwei revolutionären Machtablösungen erschüttert wurde.

 

Der neue Präsident Shavkat Mirziyoyev versucht einerseits, die Politik seines Vorgängers weiterzuführen, um dem Stabilitätsbedürfnis vieler Usbeken Rechnung zu tragen. Gleichzeitig sorgt er aber auch für eine Öffnung des Landes durch die Visa-Freiheit für Bürger aus mittlerweile 100 Nationen. Ausserdem werden schrittweise Reformen durchgeführt, wie z.B. der Revision und Vereinfachung des Steuersystems.

 

In welche Richtung sich Usbekistan entwickelt, bleibt abzuwarten. Die Geschichte des Landes wird aber auf jeden Fall auch in Zukunft spannend bleiben.