Die Entwicklung des Tourismus in Usbekistan

Dementsprechend wurden in den letzten Jahren einige Massnahmen getroffen um die (touristische) Infrastruktur zu verbessern.

Einerseits wird laufend in das Strassennetz investiert, um eine sichere, komfortable und schnelle Verbindung zwischen den Städten zu ermöglichen. Andererseits wird auch das Bahnnetz massiv ausgebaut: Mit dem modernen Hochgeschwindigkeitszug «Afrasiab» fährt man mittlerwile komfortabel und mit über 200 km/h von Taschkent nach Samarkand und weiter bis nach Buchara. In Zukunft soll das Netz über Urgench bis Chiwa ausgebaut werden.

Als weiterer Schritt zur Förderung des Tourismus in Usbekistan wurden die bürokratischen Verfahren für den Bau und den Unterhalt von Hotels und Hostels stark vereinfacht. Dadurch entstanden in den letzten Jahren viele kleinere Hotels, welche nach internationalem Standard zur 2- oder 3-Sterne Kategorie gehören. Internationale Hotelketten sind aber weiterhin ausschliesslich in Taschkent zu finden. Durch die vereinfachte Bürokratie gibt es mittlerweile in allen Städten keine Herbergen und Hostels, welche sich vor allem an Reisende mit kleinem Budget richten.

Eine wichtige Entwicklung zur Tourismusförderung geschieht seit 2018 mittels einer Überarbeitung und Vereinfachung des Visasystems. Früher musst ein bürokratisches Verfahren durchlaufen werden: Man beantragte Visa-Unterstützung bei einem lizenzierten Reisebüro und musste dann die entsprechenden Unterlagen an die zuständige usbekische Botschaft senden. Da dieser Prozess in der Regel einige Wochen dauerte, wurden kurzfristige Reisen verunmöglicht. Viele potentielle Touristen wurden auch vom komplizierten Verfahren abgeschreckt.

Seither wurde der Prozess Schrittweise vereinfacht. Im Jahre 2018 wurde ein elektronisches Visasystem für die Bürger vieler Länder eingeführt. Dies bedeutete, dass einerseits keine Unterstützung eines lizenzierten Reisebüros mehr nötig war, andererseits musste man seinen Pass nicht mehr an die zuständige Botschaft senden: Die Visabestätigung erhielt man fortan per E-Mail.

Eine nächste Vereinfachung wurde bereits ein Jahr später eingeführt: für eine Reihe von Ländern wurde eine generelle Visumsfreiheit für 30 Tage eingeführt. Per Januar 2020 wurde die Liste dieser Länder erweitert, so dass in der Zwischenzeit Bürger aus fast 100 Ländern Usbekistan ohne Visum besuchen können. Die Liste umfasst unter anderem die Bürger fast aller europäischer Länder sowie der wichtigsten asiatischen Nationen. Für die Bürger vieler anderer Länder bleibt weiterhin die Möglichkeit eines elektronischen Visums bestehen, wobei die Kosten für ein solches Visum moderat sind. Durch diese Änderungen ist es nun einerseits möglich, Usbekistan auch kurzfristig zu besuchen, andererseits fühlen sich potentielle Touristen durch die Visumsfreiheit als Gäste willkommener.

Usbekistan hat zweifellos einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen zentralasiatischen Nachbarn. Das Land hat eine bedeutende Anzahl archäologischer, historischer, architektonischer und natürlicher Sehenswürdigkeiten. Durch das einzigartige kulturelle Erbe Usbekistans, die verschiedenen Formen der Kunst und des traditionellen Handwerks, die gastfreundliche und offene Mentalität der Menschen, die Folklore und nicht zuletzt die Gastronomie können so, in Kombination mit einer geschickten Vermarktung des Begriffes «Seidenstrasse», deutlich mehr Touristen ins Land gelockt werden, als dies bei den Nachbarstaaten der Fall ist.

Es gibt eine grosse Vielfalt an touristischen Pauschalangeboten, die von Reiseveranstaltern organisiert werden. Eine Standardreise durch Usbekistan umfasst in der Regel den Besuch der Städte Taschkent, Samarkand, Buchara und Chiwa, welche über eindrückliche historische Baudenkmäler und eine reichhaltige Geschichte verfügen. In der Regel verbringen Besucher zwischen acht und zehn Tagen im Land (etwa zwei bis drei Tage pro Stadt). Auch die Stadt Shakhrisabz wird regelmässig als Tagesausflug in das Reiseprogram aufgenommen. Alle diese Städte werden von der UNESCO als Teil des Weltkulturerbes geführt.

Das Touristische Angebot Usbekistans

Usbekistan schöpft sein Potenzial allerdings noch lange nicht aus. Zurzeit werden nur etwa fünf bis acht Prozent der mehr als 4’000 Kultur- und Naturerbstätten touristisch genutzt. Es besteht also durchaus noch die Möglichkeit zur Entwicklung verschiedener Arten von touristischen Produkten. Usbekistans reiches kulturelles und historisches Erbe, seine Lage an der Seidenstrasse sowie die alten Traditionen können kulturellen, religiösen, aktiven, archäologischen und ethnographischen Tourismus ermöglichen.

Kulturtourismus

Die beliebteste Form des Tourismus in Usbekistan ist Kulturtourismus, was in einem Land mit einer derart reichen Kultur, atemberaubenden Architektur und jahrhundertealter Geschichte nicht überrascht. In der Regel konzentriert sich der Kulturtourismus auf die vier Hauptzentren Taschkent, Samarkand, Buchara und Chiwa. Allerdings gibt es durchaus weitere kulturell interessante Orte. Wir empfehlen z.B. einen Besuch des weltberühmten Igor Savitsky-Museums in Nukus oder das Ferganatal mit den Städten Rishtan, Margilan und Fergana.

Aktivtourismus

Zahlreiche herrliche Naturlandschaften mit Seen, Berggipfeln, Auenwäldern, Steppen und Wüstenlandschaften tragen zur Entwicklung des Aktivtourismus in Usbekistan bei. Die Besuche der historischen Stätten lassen sich beispielsweise gut mit Wanderungen in verschiedenen Teilen Usbekistans kombinieren. Die bekannteste und malerischste Region für Wanderungen ist der Ugam-Chatkal-Nationalpark, welcher sich in der Nähe von Taschkent befindet. Ausserdem werden in Usbekistan Rafting sowie Pferde- und Kamelreiten angeboten.

Abenteuertourismus

Für Touristen, welche ein Abenteuer erleben möchten, empfehlen wir den Besuch des Aralsees. Der ehemals viertgrösste Binnensee der Welt trocknet leider stetig aus und nimmt nur noch acht Prozent seiner ursprünglichen Fläche ein. Wenn Sie eine Tour an die aktuelle Aralseeküste buchen, fahren Sie mit einem Geländewagen über den ehemaligen Grund des Sees: Ein unbewohntes Gebiet mit faszinierenden Felsformationen und Schluchten. Ausserdem übernachten Sie in einer Jurte am Seeufer und können, wenn es das Wetter erlaubt, im See schwimmen. Ein Abenteuer, an das Sie noch lange denken werden.

Religiöser Tourismus

In Usbekistan gibt es viele einzigartige heilige Orte, welche für Gläubige, die sich zum Islam oder dem Buddhismus bekennen, wertvoll sind. Dies bietet die Möglichkeit, Pilgertourismus oder religiösen Tourismus zu entwickeln. Sufi-Bruderschaften, welche sich in Usbekistan einer langen Tradition erfreuen, haben mittlerweile Anhänger auf der ganzen Welt. In der Regel verbindet der religiöse Tourismus Besuche der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Wallfahrtsorten.

Ökotourismus

Der Ökotourismus gewinnt weltweit an Popularität. Dies ist in Usbekistan nicht anders, allerdings steht er hier noch am Anfang seiner Entwicklung. Der Ökotourismus bietet die Möglichkeit, dem Alltag in den Grossstädten zu entfliehen, die Freuden des Landlebens kennen zu lernen und der traditionellen Lebensweise des usbekischen Volkes näher zu kommen. In Usbekistan konzentriert sich der Ökotourismus im Moment vor allem auf das Zaamin-Nationalreservat in der Provinz Jizzakh (zwischen Taschkent und Samarkand gelegen). Das Reservat befindet sich im westlichen Teil des Turkestan-Kamms des Pamir-Alai-Gebirge; der höchste Punkt liegt auf etwa 4’000 Meter. Im Park wachsen etwa 800 verschiedene Pflanzenarten und es gibt Nadel- und Wacholderwälder. Wegen seiner schönen Landschaft wird das Zaamin-Reservat auch «Usbekische Schweiz» genannt.

Gastronomischer Tourismus

Die usbekische Küche ist im Westen weitestgehend unbekannt. Zu Unrecht, denn sie hat eine reiche Geschichte uns ist eng mit der Kultur des Landes verbunden. Von Plov, Manty und Samsa über Schaschlik-Spiesse bis hin zu Kazan-Kabob und Gul-Khanum: Die Küche Usbekistans bietet nicht nur die Möglichkeit eine Vielzahl von Gerichten zu kosten, sondern auch zu lernen, wie diese zubereitet werden. Restaurants oder Familie organisieren Kochkurse und teilen ihr Wissen mit interessierten Besuchern. Erlernen Sie neue Fähigkeiten und nehmen Sie die Geheimnisse der usbekischen Küche mit nach Hause, damit Sie sich lange an Ihre Reise erinnern können. Durch den gastronomischen Tourismus können Sie den Besucher der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten mit dem Studium der usbekischen Küche verbinden.

Der Tourismus in Usbekistan in Zahlen

Die Zahl der Touristen, welche Usbekistan besuchen, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Offizielle Statistiken über Besucherzahlen benennen die Zahl der Touristen im Jahre 2019 mit ca. 6.7 Millionen. Diese Angaben sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen: Fast 5.8 Millionen Besucher kamen nämlich aus den zentralasiatischen Nachbarländern. Diese bereisen Usbekistan meist nicht als Touristen, sondern besuchen Familie und Freunde, die in Usbekistan leben. Etwa 500’000 Touristen kamen aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken und etwa. 488’000 aus anderen Ländern.

Es gibt momentan noch keine Studien über das Profil von ausländischen Touristen. Wenn wir den europäischen und amerikanischen Markt betrachten, sind die Besucher in der Regel 55 oder mehr Jahre alt. Es handelt sich dabei üblicherweise um Personen, die bereits viel gereist sind und entsprechend neue Destinationen mit einer noch wenig bekannten Kultur und Geschichte suchen. Die Besucher aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Asien sind in der Regel deutlich jünger.

Der direkte Beitrag des Tourismus zum BIP belief sich 2012 auf 0.463 Milliarden US-Dollar, was einem Beitrag von einem Prozent am gesamten usbekischen BIP entspricht. Der Tourismussektor schafft direkt 110’000 Arbeitsplätze und ist damit für 0.8 Prozent der Gesamtbeschäftigung in Usbekistan verantwortlich. Studien gehen davon aus, dass sich der direkte Beitrag des Tourismus zum BIP bis 2023 auf 0.812 Milliarden US-Dollar erhöhen wird.

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